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19.01.2020

Studenten arrangieren Lieblingsstücke für musizierende Schüler

Engagierte Arrangeure: Die Musikstudenten Philipp Schwarzbauer (links) und Frederik Rößler proben mit der Big Band der Gesamtschule Schinkel.  Foto: Jörn MartensEngagierte Arrangeure: Die Musikstudenten Philipp Schwarzbauer (links) und Frederik Rößler proben mit der Big Band der Gesamtschule Schinkel. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. In der Gesamtschule Schinkel wird für die „Klasse(n)-Unimusik“-Konzerte geprobt. Sowohl für die Schülerensembles als auch für die Musikstudenten der Universität Osnabrück, die das Programm arrangiert haben, ist das eine bereichernde Erfahrung.

Im Musiktrakt der Gesamtschule Schinkel herrscht Partystimmung. Aber die kraftvollen Bläsersätze, die über die Klassenzimmer hinwegfegen, täuschen darüber hinweg, dass hier fleißig geprobt wird – ein letztes Mal, bevor die hauseigene und jahrgangsübergreifende Big Band in der nächsten Woche in der Schlossaula die beiden aufeinanderfolgenden Klasse(n)-Unimusik-Abende mit dem Titelstück „Celebration“ beschließen wird.

Auch für Musikstudent Frederik Rößler wird das ein ganz besonderer Moment sein. Denn er hat den Disco-Klassiker von Kool & The Gang so  neu arrangiert, dass er die schlechte Laune buchstäblich wegbläst. „Die Schüler sollen den Groove fühlen“, sagt er. Und das tun nicht nur sie. Auch der junge Interims-Bandleader wird vom Ergebnis seiner Arbeit so mitgerissen, dass beim Dirigieren sein ganzer Körper mitwippt.

Alles passt zusammen

Musiklehrer Rüdiger Quast reißt die Performance seiner Schützlinge ebenso mit wie Dozent und Komponist Peter Witte vom Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik, der die Big Band der Universität leitet und das Kooperationsformat mit Schulen vor 14 Jahren ins Leben gerufen hat. Bereits zum vierten Mal hintereinander sind seine Studierenden nun in der Gesamtschule Schinkel zu Gast.

Neben seiner persönlichen Freundschaft zu Quast hat das auch den Grund, dass die dortige Musikförderung stets für eine „ideale Besetzung“ des Abends sorgt, sagt Witte. Dabei verweist er auf die zahlreichen Schulensembles und Orchesterklassen, die Schülern bereits ab dem fünften Jahrgang ermöglichen, ein Instrument im Zusammenspiel mit anderen zu erlernen.

„Bohemian Rhapsody“ im Musiktrakt. Foto: Jörn Martens

Zweimal Queen

Mit „We Will Rock You“ werden die Jüngsten aus der sogenannten Profilklasse das Konzert eröffnen. Auch die Big Band hat sich ein Stück von Queen vorgenommen, allerdings ein ungleich anspruchsvolleres – auch im Vergleich zu „Celebration“. Denn während dort viele wiederkehrende Motive für Partystimmung sorgen, gibt es beim Opern-Tribut „Bohemian Rhapsody“ kaum bis keine Wiederholungen.

Nichtsdestotrotz hat sich Philipp Schwarzbauer gleich für die Aufgabe gemeldet, das facettenreiche Stück auf Bläser umzutrimmen. Ein Semester lang hat der bekennende Queen-Fan „das Stück „vereinfacht“, wie er sagt, aber auch vielstimmigen Gesang eingebaut und so manche Gesangslinien „durch Instrumente gedoppelt“, wie er verrät.

Unterschiedliche Herausforderungen

Einer, der dort mitsingt, ist der Oberstufenschüler Jan Molitor. Er stand bereits bei Schulmusicals als Sänger auf der Bühne. Die Queen-„Rhapsody“ sei allerdings im Vergleich eine besondere „gesangliche Herausforderung“, gesteht er.

Bei „Celebration“ spielt er Altsaxofon, während Zehntklässler Nick Möllering an einer von einer Handvoll Posaunen sitzt. Dort gehe es darum, die vielen fast durchgehend hohen Töne zu halten, während der Queen-Song mit „weniger Rhythmik“ die Bläser noch einmal ganz anderes herausfordere, beschreibt er den Unterschied zwischen den beiden Stücken.

Eins von vielen Saxofonen. Foto: Jörn Martens

Wunschkonzert mit Win-Win-Effekt

An insgesamt acht Terminen wurden sie intensiv geprobt – mit übrigens nur einer einzigen Trompete. „Normalerweise ein Problem, hier aber machbar“, sind sich die beiden Arrangeure einig. Denn sie würde sich schon ganz gut durchsetzen und die fehlenden Trompeten ließen sich gegebenenfalls mit anderen Instrumenten ausgleichen. Außerdem könne man sich bei einem Schülerensemble die Besetzung eben nicht aussuchen, sagen die beiden Musikstudenten.

Ganz im Gegensatz zu den Stücken, die von Abbas „Gimme Gimme Gimme“ bis hin zu „Seven Nation Army“ allesamt von den Schülern ausgewählt worden sind. Und die von den mehr als ein Dutzend Hochschülern im anrechenbaren Rahmen ihres Studiums mit viel Engagement und Freude passend zugeschnitten wurden. „Schulpraktisches Musizieren“ nennt sich das auf Amtsdeutsch. Und kennt in dieser konzertanten Form am Ende nur stolze Gewinner auf allen Seiten. Die Party kann also steigen.

 (NOZonline, vom 19.01.2020)