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28.09.2017

Plastiktütenfreier Gipfel als Startschuss für SDG-Projekt der UNESCO-Schulen

Das ist ekelerregend!“ und „Wir müssen da unbedingt was tun!“ – das war der einhellige Tenor auf dem Plastiktütenfreien Gipfel, einer Schülertagung am 21. und 22. September 2017. Die Schüler hatten am ersten Abend einen Film gesehen, der nochmals das ganze Ausmaß der Katastrophe vor Augen führte: Riesige Strudel von Plastikmüll aus aller Welt treiben auf den Ozeanen und geben ständig schädliche Inhaltsstoffe ab. Kleingemahlen wird das sogenannte Mikroplastik von großen und kleinen Organismen aufgenommen, tötet oder schädigt Tiere und Pflanzen und gerät schließlich in die Nahrungskette und damit wieder zum Menschen zurück.

Eingeladen hatte das Nordwest-Netzwerk der UNESCO-Projektschulen und als örtliche Gastgeber die Gesamtschule Schinkel, die Ursula-Schule und FOKUS e.V. Ziel der Schüler war es, die von der Ursula-Schule angestoßene Initiative Plastiktütenfreies Osnabrück zu diskutieren, zu vertiefen und ähnliche Projekte an anderen Orten und Schulen anzustoßen.

Zwei intensive Tage lang diskutierten und informierten sich die Schüler über das Problem. Dazu gehörte unter anderem auch ein von Schülerinnen der Gesamtschule geleiteter Workshop, der auf das Problem künstlerisch aufmerksam macht: „Dieses Maschendrahtkorsett, das wir hier gemeinsam herstellen,“ erklärte Julia Adler, „ist mit Plastikmüll gespickt. Man kann in das Korsett hinein steigen und körperlich erleben, wie uns der Plastikmüll erstickt.“ Unter Anleitung von Julia, Oliwia Ugrag, Celine Jouffrau und Laura Cesaria entstand ein ’schauriges‘ Objekt, das wie eine wandelnde Müllhalde anmutet und im Anschluss sogleich auf seine Wirkung überprüft wurde: Bei einem Gang durch die Osnabrücker Innenstadt sorgten die portablen Objekte für fragende Gesichter bei zahlreichen Passanten. Die beteiligten Schüler klärten die Bürger daraufhin über Sinn und Zweck ihrer Aktion auf und diskutierten anschließend mit Oberbürgermeister Griesert, dem Schirmherrn der Osnabrücker Kampagne, über ihre Aktionen.

Auch die Alternativen zu Kunststoffen waren Themen der Tagung. So standen bei einem Besuch des Botanischen Gartens Naturfasern als Ersatzstoffe für Plastik, ihre pflanzliche Herkunft und Verarbeitungsmöglichkeiten im Mittelpunkt, während sich die Schüler in den Labors der Hochschule Osnabrück über Analyseverfahren zum Aufspüren von Mikroplastik in Kosmetikartikeln und Sandproben kundig machten. Das abschließende Plenum in den Räumen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nutzten die Gipfelteilnehmer zur Erarbeitung eines Forderungskatalogs, der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zum Verzicht oder zur nachhaltigeren Nutzung von Plastik aufruft.

Schon jetzt steht fest, dass die Tagung nachhaltig Wirkung zeigte. Die Gäste des Max-Windmüller-Gymnasiums in Emden, UNESCO-Netzwerkpartner der Gesamtschule Schinkel, zeigten sich entschlossen, in Kürze eine ähnliche Kampagne in ihrer Stadt zu starten. „Wir wollen als erstes die Standbesitzer auf unserem Wochenmarkt davon überzeugen von der Plastiktüte Abstand zu nehmen und auf alternative Verpackungs- bzw. Transportbehältnisse umzusteigen,“ erklärten die Emder Schüler vor den Gipfelteilnehmern und der Presse. Die anderen UNESCO-Partner aus Oldenburg, Bad Zwischenahn und Rauderfehn, die nicht zum ersten Mal sehr engagiert mit der Gesamtschule zusammenarbeiten, planen ähnliche Projekte.

Damit hat die Initiative allerdings noch nicht ihr Ende gefunden. „Der Gipfel ist der Startschuss für ein gemeinsames Projekt der nordwestniedersächsischen UNESCO-Projektschulen,“ erklärt Linus Otten, Schülersprecher der Gesamtschule und engagierter UNESCO- und Umweltaktivist, der auf dem Gipfel zahlreiche Interviews mit den Teilnehmern führte und das Dokumentarfilmprojekt vor Ort bei den Partnerschulen fortsetzen will. 2018 haben sich die UNESCO-Projektschulen unter dem Motto „Brennpunkt Zukunft – Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ die Arbeit an und für die von der UNO ausgerufenen globalen Entwicklungsziele (SDGs) vorgenommen. Auf der Agenda der Gesamtschule Schinkel stehen neben anderen Projekten die filmische Dokumentation der weiteren Entwicklung des Netzwerkprojektes.