2400 Jahre alt – und noch aktuell

Gesamtschule Schinkel: „Lysistrata“

Zwei großen Leidenschaften geben sich Männer gerne hin: den Frauen und dem Krieg. Das war vor etwa 2400 Jahren so, als der griechische Dichter Aristophanes seine Komödie „Lysistrata“ schrieb. Darin verweigern sich die Frauen ihren Männern so lange, wie die den Krieg nicht beenden. Die Männer können sich also nur noch mit ihren Frauen oder auf dem Schlachtfeld austoben, beides jedoch geht nicht mehr.

 

Schade, dass Lysistratas Plan auf lange Sicht nicht aufging: Kriege gibt es noch immer, und so ist auch der Stoff nach wie vor aktuell. Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Schinkel machen aus dem Stück „Lysistrata 2010“. War es Zufall oder Kalkül, dass die Premiere auf den internationalen Frauentag fiel?

 

Die Struktur des Stückes ist etwas kompliziert, denn gezeigt wird Theater im Theater:

Schauspieler bereiten eine Aufführung vor und spielen auch einzelne Szenen der Komödie um die streitbare Lysistrata (Katharina Thieken). Die gegenwärtige Situation ist jedoch wichtiger. Der Bruder der Theaterchefin Clara (Swana Zumstrull) ist in Afghanistan und schreibt ihr in einem Brief von seiner Angst.

 

Bereits letztes Jahr setzten sich Schüler der Gesamtschule Schinkel in einer Varus-Revue für den Frieden ein, und dieser Einsatz wird mit dem neuen Projekt vehement fortgeführt: „Glaubst du, dass Soldaten unsere Welt friedlicher machen?“ Dennoch bleibt das Stück, was es bei Aristophanes ist: eine Komödie.

Eine Band und eine Theatergruppe müssen sich den Probenraum teilen, und so kommt es zur Zusammenarbeit. In diesem Stück werden also auch die Musiker zu Schauspielern, die sich an der Handlung beteiligen. Dennoch sorgen sie natürlich auch für gekonnte Musikeinlagen. „Nicht schlecht, Herr Specht, kann man sich wohl anhören“, kommentiert Clara, und recht hat sie. Vieles wirkt sehr realistisch, so fängt Schlagzeuger Massimo (Massimiliano Kuck) ständig an, auf seinem Drumset zu daddeln, der Theatergruppe fehlen die Männer.

 

Dass dies auch im Stück auftaucht, verrät schon, wie viel Spaß die Schülerinnen und Schüler an skurrilen Einfällen haben. Im Casting für die Hauptrolle darf Knut (David Missal) in die Rolle eines Dieter Bohlen schlüpfen, der die Bewerberinnen mit markigen Machosprüchen überrennt, die Kandidatinnen wiederum karikieren die haarsträubenden Leistungen mancher Möchtegern-Superstars so gekonnt, dass es das Publikum vor Lachen von den Sitzen reißt.

 

Als gäbe es noch nicht genug Verwicklungen, bahnt sich noch eine Romanze zwischen Olga (Tabea Thieken) und Bandleader Carsten (Clemens Trost) an, wobei Carsten allerdings mit Olgas forscher Art überfordert ist und jede romantische Situation ruiniert. Zahlreiche Handlungsfäden liegen lose nebeneinander, können und müssen nicht aufgelöst werden. Aber vieles wurde unterwegs angestoßen.

© NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG

Der Text wurde uns freundlicherweise von der Neuen Osnabrücker Zeitung zur Verfügung gestellt.