Verständigung seit 25 Jahren

Arabische Jugendliche aus Israel an der Gesamtschule Schinkel

von Henning Müller-Detert

Austauschprogramme gehören heutzutage zum Schulleben wie früher die Tafel. Die Gesamtschule Schinkel pflegt gemeinsam mit der Petrusgemeinde Gretesch-Lüstringen einen besonderen Kontakt: Seit 25 Jahren gibt es Treffen mit arabischen Jugendlichen aus der israelischen Stadt Kufar Yassif. Derzeit sind 14 junge Palästinenser zu Besuch.

Studio-Besuch von israelischen Austauschschülern an der Gesamtschule Schinkel beim OS Radio, vorn am Mikrofon Pastor Frieder Marahrens. Foto: Hermann Pentermann Studio-Besuch von israelischen Austauschschülern an der Gesamtschule Schinkel beim OS Radio, vorn am Mikrofon Pastor Frieder Marahrens. Foto: Hermann Pentermann

Am vergangenen Freitag sind die Gäste aus der Yanni Highschool in Deutschland eingetroffen, ihr Besuch dauert noch bis Sonntag. Mit dabei Siwar Awad, Catreena Shehadeh und Ibrahim Cabbani (alle 18). Sie gehören zu der Gruppe, die im OS-Radio über ihren Aufenthalt berichtet. Dazu kommen Sophie Otto und Lara Depenbrock (beide 17), die zu den Schülern gehören, die im vergangenen Jahr Kufar Yassif besucht hatten, eine arabische Stadt in Nordisrael.

 

Wenn die fünf über den Austausch berichten, dann klingt die Begeisterung über die Erlebnisse durch. „Wunderschön und vielfältig“ sei Israel, sagen die Gesamtschülerinnen. Besonders das Tote Meer sei beeindruckend gewesen. Mit den Gastgebern hätten sich schnell Freundschaften ergeben. Eine ungewöhnliche Erfahrung seien die vielen Sicherheitskräfte selbst bei Zugfahrten gewesen, berichtet Sophie Otto. Gleichwohl habe sie sich „nie unsicher gefühlt“, sagt sie.

 

Für Ibrahim Cabbani lag die Motivation zur Teilnahme an seiner „großen Neugier auf andere Kulturen“. Bislang hatte der Abiturient noch nie Europa besucht. An Deutschland fasziniert ihn die Architektur. Da alle Teilnehmer Englisch sprechen, war die Verständigung kein Problem. Ibrahim kann sich auch auf Deutsch verständlich machen, obwohl er es nie in der Schule hatte. Denn seine Familie empfängt einige deutsche Fernsehsender. Und noch etwas ist ihm wichtig: Er möchte zeigen, dass der bombenwerfende Palästinenser ein Klischeebild der Medien ist.

 

Der Austausch besteht bereits seit 25 Jahren, allerdings wurde er ausgesetzt in den Jahren der Intifada. Finanziert wird er über ein Programm der evangelischen Kirche. Für die Gemeinde hat Pastor Frieder Marahrens die Organisation übernommen, für die Gesamtschule Joseph Oeding. Die interkulturelle Begegnung sei ein wesentlicher Bestandteil der UNESCO-Projektschule, unterstreicht der Lehrer.

 

Welche Spuren der Austausch hinterlässt, zeigt sich an Gamal Mograby und Ibrahim Haj. Letzterer hatte vor 19 Jahren als Schüler Osnabrück besucht, nun ist er als Lehrer der Yanni Highschool an der Organisation beteiligt. Gamal Mograby hatten hingegen 1998 am Austausch teilgenommen. Derzeit promoviert er in Berlin.

© NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG

Der Text wurde uns freundlicherweise von der Neuen Osnabrücker Zeitung zur Verfügung gestellt.