Freude über die kleine „Herzkissen-Fabrik“
hiek Osnabrück
Osnabrück. Ein Blick ins Arbeitszimmer von Renate Winter lässt vermuten, die Osnabrückerin betreibe eine Herzkissen-Fabrik: In riesigen Tüten, Säcken und Wäschekörben stapeln sich hier bunte Stoffkissen in Herzform. Doch mittlerweile näht Renate Winter sie nicht mehr allein. Aus der von ihr in Osnabrück gestarteten Herzkissen-Initiative für an Brustkrebs erkrankte Frauen hat sich mittlerweile ein Netzwerk entwickelt, das sich über den gesamten Landkreis erstreckt.
Kistenweise Kissen: Renate Winter (2. von links) freut sich über jede Lieferung für die Initiative „Herzen gegen Schmerzen“.
Ende November hatten wir an dieser Stelle zum ersten Mal über Renate Winter und ihre Herzkissen berichtet. Durch einen Fernsehbeitrag war die Osnabrückerin damals auf die Initiative „Herzen gegen Schmerzen aufmerksam geworden. Die Idee kommt ursprünglich aus Amerika und hat sich mittlerweile auch in Europa verbreitet: In Handarbeits- oder Kunstgruppen werden Herzkissen für an Brustkrebs erkrankte Frauen genäht, die ihnen nach der Operation nicht nur den Schmerz der Wunde lindern sollen, sondern zugleich auch ein Geschenk für die Seele sind.
Der Fernsehbeitrag war noch nicht ganz vorbei, da hatte Renate Winter ihre Nähmaschine schon ans Laufen gebracht, so sehr hatte sie der Beitrag motiviert. Doch schnell stand fest, dass es nicht bei einer Privatinitiative bleiben sollte. Renate Winter wollte mehr Leute ins Boot holen und ein Netzwerk aufbauen. Schon ein halbes Jahr später kann man sagen: Das hat geklappt. „Der Artikel hat so was von eingeschlagen, dass ich anderthalb Tage nur am Telefon saß“, erzählt sie. Viele Frauen wollten einfach nur mitmachen und erkundigten sich nach einer Gruppe oder nach Möglichkeiten, eine Gruppe zu gründen. Andere hatten schon eine und wollten nur noch wissen, wie die Kissen genäht werden und wo sie abgegeben werden sollten. Rund 1000 Herzkissen sind in den vergangenen sechs Monaten bereits produziert worden und an die umliegenden Brustzentren und Krankenhäuser verteilt worden.
Näh- und Patchwork-Gruppen im gesamten Landkreis wurden aktiv: Näherinnen aus dem Johannes-Prassek-Haus in Osnabrück-Haste hätten zum Beispiel mehrere Kissen abgeben, berichtet Winter. Genauso auch eine Patchworkgruppe aus Schledehausen. Der Handarbeitsladen „Juttas Lädchen“ in Melle habe in seinenN ähkursen ebenfalls Kissen genäht – und sich zugleich bereit erklärt, fertige Kissen aus Melle anzunehmen
und sie entsprechend weiterzureichen.
Und sogar in den Schulen ist die Aktion „Herzen gegen Schmerzen“ angekommen: Sowohl an der Angelaschule wie auch an der Gesamtschule Schinkel gibt es einen Wahlpflicht-Kurs, in dem Schüler für die Aktion genäht und gestopft haben. „Ich finde das ganz toll“, sagt Renate Winter. Sie selbst betreut aufgrund der großen Nachfrage monatlich auch noch zwei feste Gruppen, in denen Stoff geschnitten, genäht und gestopft wird.
Und dass das Engagement auch so ankommt, wie von den Näherinnen erhofft, weiß Renate Winter mittlerweile nicht nur durch viele persönliche Rückmeldungen von betroffenen Frauen, Klinik-Mitarbeitern und Ärzten, sondern auch durch viele Dankesbriefe: „Viele Frauen schreiben, wie sehr sie sich gefreut haben, dasss ie in Zukunft auch nähen möchten, und einige schicken sogar auch gleich ein paar Kissen mit.“


